Verein für Körperkultur 1901 e.V.

Faustball

Nachdenkliches über Faustball

grazil und elegant zeigte sich die Spezies "Schlagmann" schon immer!Es ist der ewige Konflikt im kleinen Faustball-Universum – Angriff gegen Abwehr, vorne gegen hinten, brachiale Gewalt gegen Intelligenz und Spielwitz.

Wenn bei mannschaftsinternen Konflikten zwei derart unterschiedliche Philosophien wie „Offensive" und „Defensive" aufeinanderprallen, so ist stets mit dem einen oder anderen harschen Wort zu rechnen. Pilzpflücker und Schlachgeigen nennt man sich gegenseitig „freundschaftlich" beim VfK in Berlin.

Deren Abwehrspieler waren es auch, die erstmals das „Schlachmannsaufen" beobachteten und dokumentierten, eine meist zufällig wirkende Zusammenkunft der eher großgewachsenen Angreifer am Abend einer der vielen größeren Faustballturniere. Im „Schaut-her-hier-sind-wir"-Stil wurde hier bei einem gepflegten Bier bis spät in die Nacht der Schlagmann-Status gepflegt, der jeweiligen Leistung gegenseitig gehuldigt und die Alltagsproblemchen mit der eigenen Abwehr ausdiskutiert.

Damit wir uns nicht falsch verstehen – keiner kann (und will) so recht ohne den anderen und so sieht man auch heute noch 5 Faustballfreunde – Angriff und Abwehr gemeinsam als Team auf dem Feld stehen....
Der folgende Artikel wurde im Fundus eines ehemaligen Vereinsmitglieds erspäht und dokumentiert
wie wenig sich eigentlich bis heute geändert hat. ;-)

 

 

 vermuteter Verfasser: Erich Brandt

„Wird der Ball hinten ausgelassen, so ist es zappenduster."

Nachdenkliches über FaustballMein, durch langjährige Erfahrung geschulter Blick hat es mir im VFK, dem ich seit 1948 angehöre, ermöglicht, grundsätzliche und unwiderlegbare Erwägungen anzustellen, die zuerst in den Vereinsnachrichten meines Berliner Vereins abgedruckt wurden. Voran ging die Einleitung des Hauptsportwarts ERICH WEIDUSCHAT.
Anschließend äußerte sich ein Faustballkamerad über ein Thema, das vielen von uns seit langem am Herzen liegt. Ich will vorerst neutral bleiben und meiner uneingeschränkten Zustimmung keinen Ausdruck verleihen. Es steht selbstverständlich jedem Mitglied der Faustballabteilung – auch den Vorderspielern – frei, sich hierzu in der nächsten Vereinszeitung an gleicher Stelle zu äußern.

Der Aufsatz selbst lautet:
Eine Faustballmannschaft besteht aus zwei nicht nur körperlich und spielerisch verschiedenen Teilen, aus der Hinter- und aus der Vordermannschaft.

 

Feststellungen über Phonstärken haben gezeigt, dass auch die bei weitem lautesten Stimmen in den Vordermannschaften zu suchen sind."

Die Vorderleute verteidigen mit drei Mann eine Spielfeldbreite von 20 Metern, also pro Mann 6,66 Meter. Die fehlenden 2 cm gehen durch ungenaues Kreiden verloren. Für dieselbe Breite stehen der Hintermannschaft nur zwei Mann zur Verfügung, d.h. pro Mann 10 Meter. Dabei kommen die schwersten Bälle fast immer nach hinten.
Wird der Ball hinten ausgelassen, so ist es zappenduster. Wird er dagegen vorn verfehlt, so kann man hinten immer noch rettend eingreifen; und wie oft geschieht dies!
Nach hinten stellt man daher immer die beweglichsten und verantwortungsfreudigsten Spieler.
Die Vorderleute verlassen sich daher gen auf ihre Kameraden hinten.
Trotzdem kann man mit Leichtigkeit und Heuchelei jeden verfehlten Ball der Hintermannschaft in die Schuhe schieben. Es ist deshalb kein Wunder, wenn die Hinterleute in verzweifelten Lagen hin und wieder einen Seufzer von sich geben: „Wie schön wäre Faustball ohne Vordermannschaft". Aber immer wieder findet die Hintermannschaft zum großen Gemeinsamen zurück. Kann ein leichter Ball vorn ohne allzu große Anstrengung gehalten werden, so geschieht dies. Meist aber erklingt – in der Regel laut und unmissverständlich – der Ruf:"Hinten!"

Feststellungen über Phonstärken haben gezeigt, dass auch die bei weitem lautesten Stimmen in den Vordermannschaften zu suchen sind.

 

Solange Faustball gespielt wird, bringen daher gerecht und billig denkende Fachkreise Mitgefühl für die Hinterleute auf."

Auch wenn der Ball für die Hintermannschaft fast unerreichbar war – oft wird er trotzdem von ihr noch gehalten – fällt die Vordermannschaft mit meist hämischen Bemerkungen über die Hintermannschaft her.
Sie fühlt sich zahlenmäßig und oft auch gewichtsmäßig überlegen. Denn nach vorn stellt man immer die Längsten und die wegen ihres Gewichts Unbeweglichsten. Solange Faustball gespielt wird, bringen daher gerecht und billig denkende Fachkreise Mitgefühl für die Hinterleute auf. Diese kämpfen nicht nur gegen den Gegner, sondern auch noch gegen die eigene Vordermannschaft.

Die schärfsten Bälle gehen nach hinten...Die schärfsten Bälle gehen nach hinten, wohin sie der Gegner mit Wucht schlägt, und zwar immer dorthin, wo sie am schwersten zu erreichen sind. Die Vorderleute dagegen haben es überwiegend mit Bällen zu tun, die ihnen sorgfältig und gewissenhaft von der eigenen Hintermannschaft zugespielt werden, und zwar dorthin, wo sie am leichtesten zu erreichen sind.
Dieses feine Unterscheidungsvermögen geht den Vorderleuten gemeinhin völlig ab, jeder Ärger und jede Enttäuschung werden auf die Hintermannschaft abgeladen. man steht ja mit dreien nur zweien gegenüber. Bezeichnenderweise befinden sich vorn die sogenannten Schlagmänner oder Überschläger. In anderen Teilen Deutschlands spricht man von der Angabe oder Angebern. wie wohltuend hebt sich die vornehme Zurückhaltung der Hinterleute dagegen ab, die in ihrer mannschaftsdienlichen Tätigkeit schlicht, unauffällig und ruhig ihre Pflicht tun. Wird wirklich ein Ball von hinten schlecht zugespielt, so erhält die Vordermannschaft Gelegenheit, sich auszuzeichnen, was dankbar anerkannt werden müsste. Dies geschieht aber nur sehr selten. Das gilt nicht nur für den VFK sondern auch für andere Mannschaften. Es gibt Vorderleute, die dann am wirkungsvollsten sind, wenn ihnen schlecht zugespielt wird. In unserem Verein gibt es hierfür einige bemerkenswerte Beispiele.

In der Vordermannschaft befinden sich Leute mit beachtlichen schauspielerischen Fähigkeiten.....enn wohl nie sieht ein Spieler hinten so gut aus wie vorn.

Ich will nicht so weit gehen wie manche erfahrenen und scharf beobachtenden Leute von klarem und gerechtem Urteilsvermögen, die von Charakterunterschieden zwischen Vorder- und Hinterleuten reden. Auffällig ist jedoch, dass selten ein Übergang von der Vorder- zur Hintermannschaft oder umgekehrt stattfindet, denn wohl nie sieht ein Spieler hinten so gut aus wie vorn.
Die geschilderten Verhältnisse gelten nur für die Männermannschaften. Die Erhebung nach dieser Richtung hin über Damenmannschaften sind noch in vollem Gange. Die Ergebnisse werden zu gegebener Zeit bekanntgegeben, wenn sich der Unterausschuß davon Erfolg verspricht und keine Vergeltungsmaßnahmen zu befürchten sind.


In der nächsten Nummer der Vereinszeitung des VFK schreibt der Leiter der Faustballabteilung abschließend:
"Zu den nachträglichen Betrachtungen in der letzten Vereinszeitung über Vorder- und Hinterspieler einer Faustballmannschaft sind keine Gegenargumente zur Veröffentlichung eingegangen, was auch nicht zu erwarten war. Es ist erfreulich, dass auch in dieser Hinsicht in der Faustballabteilung völlige Einmütigkeit herrscht.
Gegen den Aufsatz wagte es ein einziger VFK-Mann vorsorglich aus dem Urlaub üble zur Veröffentlichung nicht geeignete Einwendungen zu erheben.
Hunderte von begeisterten Zustimmungen habe ich erhalten; besonders von unserem lieben GUSTAV GOTTSCHALK, der früher vorne spielte und später hinten sehr stark wurde. Er hat die Unterschiede also kennengelernt und sich auf die richtige Hinterseite geschlagen."

Diese Ausführungen sollen gleichzeitig ein herzlicher Gruß an den MTV und besonders die lieben Faustballfreunde sein, die ja mit ähnlichen Problemen zu tun haben sollen.
Ende der Abhandlung!

vermuteter Verfasser: Erich Brandt

Bildquelle: VfK Archiv, Fotograf unbekannt

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